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DAY AND NIGHT

Katja von Puttkamer im nuuna store Frankfurt

Am 12. März haben wir eine wunderbare Ausstellung mit ausgewählten Bildern und Skizzenbüchern in unserem nuuna Store eröffnet: DAY AND NIGHT von Katja von Puttkamer. Für all diejenigen, die nicht vor Ort dabei sein können, zeigen wir hier ein paar Werke, Ausstellungsansichten sowie die Eröffnungsrede des Frankfurter Verlegers und Kurators Florian Koch.

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Katja von Puttkamer verschreibt sich in ihrem Werk dem urbanen Raum mit seinen verdichteten Baustrukturen und all seinen Facetten: kleine Läden, Häuserfassaden, Gebäudefluchten und Architekturdetails. Die Malerin hat sich Frankfurt mit einem nuuna-Skizzenbuch im Gepäck zeichnerisch erschlossen. Mit kräftigen Farben oder auch lasierendem Farbauftrag arbeitet sie seit vielen Jahren an ihren Transformationen des Alltags, die auch Un-Orte und Fragmente von Fassaden in anregende Kunst verwandeln. Ihre Intervention zielt ins Herz der Frankfurter Nachkriegsarchitektur.

Die Künstlerin hat ein besonderes Faible für alles noch Provisorische, alles was noch in Bewegung, also noch nicht klar vollendet ist. Sie findet, dass von solchen Orten die entscheidenden Impulse ausgehen, in denen sich die Lebensenergie ausdrückt und die Reibungshitze erzeugt wird, die Städte, Gemeinwesen, Räume unter Strom setzt und mit Kraft versorgt.

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Städten wie Frankfurt, Gießen, Mainz, Aschaffenburg, die eine ganze Menge mittelmäßige Nachkriegsarchitektur und besonders Bauten der Siebzigerjahre aufzubieten haben, hat sie sich schon vielfach angenähert: Indem sie Fassaden malt, Strukturen, das berühmte Kachel-Raster von Egon Eiermann für Horten oder andere Gebäude in deutschen Fußgängerzonen. Denn im Mikrokosmos entdeckt Katja von Puttkamer den Makrokosmos wieder, in Gitter- und Rasterstrukturen, in Rosetten, Facetten und Kassetten spiegelt sich auch das große Ganze. Ihre Malerei hat dabei eine äußerst dichte körperliche Präsenz.

Helmut Bien hat zu den „Schnappschüssen, wie aus einem Autofenster heraus aufgenommen“, in einem größeren Kontext festgehalten: „Der Bauschmuck der Mosaiken in Treppenhäusern, auf Plätzen und in Foyers steht in einer post-pompejanischen Tradition. Katja von Puttkamer malt sie als Zeugnisse eines prä-digitalen Pixel-Zeitalters.“

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Katja von Puttkamer ist in Mainz aufgewachsen und hat dort die volle Packung 70er-Jahre-Architektur mitbekommen. Die 70er sind ihr Teenagerjahrzehnt, die Zeit, wo man anfängt, genau hinzuschauen und sich eine Meinung zu bilden. Die Architektur dieser Zeit war für sie also immer äußerst präsent und dann zu erleben, wie Kolosse wie etwa in Frankfurt das Technische Rathaus nach kurzer Zeit, schon von der nächsten Generation, abgerissen werden oder sich in den Fußgängerzonen ein auffälliger Leerstand bei den 70er-Jahre-Bauten auftut, hat etwas in ihr ausgelöst. Zwischennutzungen, Umwidmungen, Leerstand – sie hat sich ganz diesem Thema verschrieben und bearbeitet es im Detail wie im großen Ganzen.

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Karl Friedrich Schinkels klarer Formensprache verdanken wir ja die Rasterbauweise, die auf ein Portal oder eine klare Vorderseite mit einer Hierarchie verzichtet, was dazu führte, dass seit den 1830er-Jahren schon viele Gebäude von allen Seiten gleich aussehen. Funktionalität und Gleichförmigkeit zeichnen diese Bauten aus und es ist auffällig, dass die Malerin dies nicht bewertet, sondern festhält – einer Archäologin gleich, die vielleicht schon mehr weiß als wir und etwas festhält, was es in 50 Jahren nicht mehr geben wird. Spätestens seit bei der Architekturbiennale in Venedig vor 8 Jahren das Motto „reduce, re-use, recycle“ galt, hat die Architektur der Gegenwart die neue Aufgabe angenommen, nicht überall neu zu bauen, sondern die vorhandenen Gebäude der Gegenwart anzupassen. Wenn die „Platte“ transformiert wird, führt das unweigerlich dazu, dass die 70er Jahre aus der öffentlichen Wahrnehmung zunehmend verschwinden: Die Gebäude werden auf dem Weg zur neuen Nutzung häufig ausgeweidet, energetisch saniert und in Thermo-Outfits wieder auf den Markt gebracht. Katja von Puttkamer malt, frei von jeder Sozialromantik, gegen das Verschwinden an und postuliert damit nachdrücklich ihre malerischen Interventionen.

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Katja von Puttkamer studierte in München, ein DAAD-Stipendium führte sie nach New York. Sie lebt in Ingelheim am Rhein, ist aber regelmäßig in unserer Stadt, denn sie unterrichtet etwa an der Freien Kunstakademie Frankfurt. Lehraufträge führten sie bereits an die FH Koblenz und an die Uni Koblenz/Landau, sie war auch wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Technischen Uni Kaiserslautern. Ihr eigenständiger Blick auf die Welt und die Verwandlung von eher unspektakulären Vorlagen in Kunst und ihre Gabe, dies besonders einfühlsam zu vermitteln, machen sie zu einer vollständigen, spannenden Gegenwartskünstlerin.

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